Rotwild (Cervus elaphus)

Paarhufer 

Rotwild          [Glossar]          [Live]

Kurzinfo 

Der Rothirsch ist mit seinen bis 250 kg Körpergewicht und einer Schulterhöhe von bis 150 cm das grösste Säugetier Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Hirsche tragen Geweihe aus Knochenmaterial, welches unter dem Bast während des Sommers heranwächst. Am Ende des Sommers wird der Bast an Bäumchen und Sträuchern abgefegt. Das Geweih besteht nun aus totem Material und dient während der Brunft im Oktober nicht nur zum Imponieren sondern auch zum Kämpfen. Während der Brunft versucht ein Hirsch möglichst viele Tiere in seinem Harem zu versammeln.
Im Frühling wird das Geweih abgeworfen und während des Sommers ein neues aufgebaut. Ein solches Rothirschgeweih kann mehr als 10kg wiegen. Rothirschrudel haben „Traditionen“, die aufgrund von Erfahrungen entstanden sind und das Leben der Tiere regeln. In Mutterfamilien werden diese an die weiblichen Kälber weitergegeben, wozu z.B. die Lage und die Nutzung von geeigneten Gebieten oder Wanderrouten gehören.
Rotwild besitzt ein breites Nahrungsspektrum über Gräser, Kräuter und Knospen bis hin zu Baumrinden, Zweigen und Flechten.

Lateinischer Name 
Synonyme 

Cervus elaphus, Linnæus, 1758
Rothirsch

Männliches Tier 

Hirsch, Stier

Weibliches Tier 

Tier, Kahlwild, Hirschkuh, Hinde oder Hindin

Nachwuchs 

Kalb, Hirschkalb, Tierkalb

mehrere Tiere 

Feisthirschrudel, Kahlwildrudel, Hirschrudel, Brunftrudel, Mutterverband

 

 

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Allgemeines, Merkmale und Kommunikation

Wildart 

Hochwild

Status 

Die Jäger haben die gesetzliche Verpflichtung, Rotwild in »rotwildfreien Gebieten« zu schießen. Diese behördlich ausgewiesenen Gebiete sind rotwildfrei zu halten.

Wissenswertes 

Jungtiere verfärben früher (September und April) als Alttiere.

Aussehen/Körperbau 
Hirsch beim Äsen

 

Geweih und 
Geweihentwicklung 
Rotwild Geweih beschriftet


Zahnformel und Gebiss 
Rotwild Schädel

Mit 15 Monaten wechseln die Schneidezähne zum Dauergebiss. Mit 16 - 18 Monaten werden die Grandeln gewechselt.
Die Milchzähne werden zwischen dem 16 – 27 Monat gewechselt. Zwischen dem 27 und 32 Monat ist der 3. Prämolar 2teilig. Dieser ist als Milchzahn 3teilig.

I C P M
0 1 3 3

--------- 34 Zähne
3 1 3 3
wobei die oberen Eckzähne Grandeln nicht immer vorhanden sein müssen! Mit 27 -32 Monaten (ca. 2½ Jahren) vollständiges Dauergebiss. Zur gleichen Zeit wechselt auch der 3. Prämoral (P3) vom 3-teiligen zum 2-teiligen Zahn.

Sinne 

Rotwild ist ein Bewegungsseher, äugt außerordentlich gut, windet und vernimmt sehr gut und sichert häufig. Das große Auge mit der großen Pupille lässt das Rotwild auch bei Dunkelheit gut äugen. Die großen beweglichen Lauscher dienen sowohl der Aufnahme von Geräuschen als auch der Prüfung der Windrichtung (Tastsinn). Die besonders auf der Oberlippe und am Kinn sitzenden einzelnen Haare sind als Tasthaare (Vibrissen) ausgebildet.

Drüsen 
Matatarsalorgan - Metatarsalbürste

Talgdrüsen, Hinterlaufbürste (Metatarsalorgan), Circumcaudalorgan, Intracaudalorgan, Brunftflecken

Voraugendrüse

Voraugendruese

Lautäußerungen 

Die Lautäußerungen des Rotwilds sind vielseitig und je nach Geschlecht und Anlass unterschiedlich. Bei Störungen stösst das Tier, seltener der Hirsch, einen heiseren, bellenden Warnlaut aus, es schreckt. Bei unerkannter Gefahr schreckt es nur kurz.

Das Mahnen der Tiere sind leise nasale Laute, die wie "ääng" klingen. Sie werden meist vom Alttier ausgestossen, wenn es das Kalb lockt oder warnt oder wenn es brunftig ist und einen Hirsch sucht, aber auch, wenn es von diesem zu stark getrieben wird.


Die häufigste Lautäusserung bei der Brunft ist das Knören der Hirsche.

Dies sind tiefe, langgezogene, mitunter gedämpfte Laute. Sie klingen eintönig wie "ahööööh" oder "öhhuhhaahh" und hören sich oft wie ein Brummeln an. Diese Lautäußerungen werden daher auch als Brummen und, wenn der Hirsch dabei trollt, als Trenzen bezeichnet. Der Hirsch röhrt (orgelt oder schreit), wenn er auf der Suche nach einem brunftigen Stück ist oder bei einem Brunftrudel steht. Das Orgeln klingt etwas verhalten (nicht aus vollem Halse), sehnsüchtig und suchend. Das Röhren der jüngeren Hirsche klingt klarer und wie "aauuhööh", das der älteren eintönig und fast schwermütig und wie "oo-aah-aah". Aus vollem Halse, selbstbewusst und zufrieden klingt das Röhren, wenn der Hirsch bei einem Brunftrudel steht. Es ist langgezogen, schwillt allmählich an und sinkt wieder ab und klingt wie "öö-uhhaah-uhhaa". Wird der bei einem Brunftrudel stehende Hirsch durch einen zu dreisten Beihirsch gereizt oder ist er verärgert, weil das Tier, das er treibt, sich nicht beschlagen lassen will, stösst er den sog. Sprengruf aus. Das sind drei bis vier heisere Laute, die wie "ööö" klingen. Dem Sprengruf folgt meist ein kraftvoller langgezogener, grollender Kampfschrei. Bei Schmerzen, z.B. bei schmerzhaften Knochenschüssen, kann Rotwild klagen, was jedoch sehr selten und hauptsächlich bei Kälbern vorkommt.

Gelegentlich kann man auch einen Brunftkampf hören.

Kommunikation visuell 

 

Kommunikation "chemisch" 

Fährtenmarkierung

Herkunft 

Einheimisch

Vorkommen 

Das Rotwild ist der grösste heimischer Wildwiederkäuer und kommt in Europa im wesentlichen überall dort vor, wo große Waldungen die Landschaft prägen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Schottland und Norwegen bis ans Schwarze Meer. Es lebt sowohl in den Auen- und Mittelgebirgswäldern als auch in den Wäldern des Hochgebirges. Die grössten Rotwildgebiete in der Bundesrepublik liegen in der Lüneburger Heide, im Weserbergland, im Harz, in der Eifel, im Hunsrück, im Taunus, im hessischen Bergland, im Schwarzwald, im Pfälzer und Bayerischen Wald, Fichtelgebirge, Spessart und in den Alpen. Geringe Rotwild-Bestände hat Schleswig-Holstein; Rotwild kommt ausserdem in Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Pommern, Schlesien, West- und Ostpreussen vor, aber auch in Polen und dem angrenzenden Russland, in Slowenien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien; in sämtlichen Alpenländern, in Spanien, Schottland, Frankreich (in geringer Zahl), Belgien, Dänemark, Norwegen und Schweden ist es heimisch. In Italien wird es in den Abruzzen wiedereingebürgert.
Der Hirsch kommt heute bis 2800m.ü. Meer vor.

Lebensweise, Lebensraum Rotwildsuhle200x161komp

Rotwild bevorzugt als Lebensraum große Waldflächen mit hohem Laubholzanteil und zusammenhängenden Dickungen, die ihm als Einstände dienen. Dort hält es sich i.d.R tagsüber auf, äst mehrmals im Einstand oder in unmittelbarer Nähe. Für die Äsungsaufnahme benötigt Rotwild etwa acht Stunden täglich (auf fünf bis sechs Aktivitätsphasen verteilt), wobei eine fast ebenso lange Zeit für das Wiederkäuen benötigt wird. Erst gegen Abend zieht es zur Äsung auf Wiesen, Felder, Kulturen, Lichtungen und Kahlschläge (es zieht zu Felde). Frühmorgens zieht es wieder in die vertrauten Tageseinstände zurück (es zieht zu Holze). Innerhalb des Lebensraumes wechselt es häufig den Standort. Dieser Standortwechsel wird durch Äsungsverhältnisse, Jahreszeit, Windrichtung und durch Beunruhigungen hervorgerufen. Rotwild ist sehr scheu und störungsempfindlich. In Revieren mit viel Verkehr und Störungen wird es nicht zuletzt durch den Jagddruck zum Nachttier. Besonders heimlich und zurückgezogen lebt der alte Feisthirsch, der ein Einzelgänger ist. Rotwild suhlt sich gern in Schlamm und Sand zum allgemeinen Wohlbefinden und zum Schutz vor Insekten und Parasiten. Besonders während der Brunft sucht der Hirsch die Suhle auf, um sich abzukühlen. Die Bewegungen dieses Edelwildes sind anmutig. Grosse Sprünge und das Überfallen von Hindernissen werden kraftvoll ausgeführt, große Flüsse und Seen werden mühelos durchronnen. Rotwild lebt überwiegend nach Geschlechtern getrennt, gesellig in Rudeln (Kahlwild-, Feisthirsch- und Brunftrudel), die manchmal kilometerweit voneinander getrennt stehen. Die Rudelbildung und -Zusammensetzung ist abhängig von der Jahreszeit und von der Landschaftsstruktur und dient der erhöhten Sicherheit des Wildes. Kahlwildrudel bestehen aus Alttieren, Schmaltieren, Kälbern beiderlei Geschlechts und häufig aus geringen Hirschen bis zum dritten Kopf. Sie werden fast immer von einem Leittier (Kopftier) mit Kalb angeführt. Verliert das Leittier sein Kalb, übernimmt meist ein anderes Alttier mit Kalb die Führung.
Hirschrudel (Feisthirschrudel) bestehen i.d.R. aus Hirschen vom dritten bis achten Kopf, gelegentlich auch schon vom zweiten Kopf an. Sie werden häufig vom jüngsten Hirsch angeführt, bei Gefahr jedoch vom ältesten. Hirschrudel sind meist kleiner als Kahlwildrudel. Stehen nur einige Hirsche zusammen, spricht man von einem Trupp. Alte Hirsche werden zu Einsiedlern und meiden die Rudel. Auch die beschlagenen Tiere verlassen i.d.R. ca. sechs Wochen vor dem Setzen das Rudel und bleiben noch einige Zeit mit ihren gesetzten Kälbern allein. Zwei führende Stücke tun sich gern zu einem Trupp zusammen und bilden später, wenn das Kalb Schritt halten kann, zusammen mit den abgeschlagenen Schmaltieren und Rotspiessern wieder ein Rudel. Tritt das Kahlwildrudel zur Äsung aus, erscheint zuerst das Alttier, dann das Kalb, dann das Schmaltier, dann wieder ein Alttier, ein Kalb usw. Kranke und schwächliche Stücke, manchmal auch verwaiste Kälber, werden vom Rudel ausgestossen.

 Einstand 

 

Lebensweise 

  • Das Hirschrudel bildet sich in der Zeit des Geweihaufbaus und trennt sich kurz vor der Brunft.
  • Beim Kahlwildrudel tritt das führende Alttier zum Setzen als erstes aus. Es findet sich im Juli/August wieder zusammen.

Überwinterung 

 

Äsung und 
Nahrungserwerb 

Gräser und Kräuter
Knollenfrüchte, Blätter und Nadeln von Laub und Nadelhölzer (Verbiss). In Tageseinständen kommt es aufgrund von „Langeweile“ auch zu Schälschäden. Rotwild nimmt ca. 8 – 20 kg Äsung pro Tag auf.
Es braucht ca. 6 – 8 Äsungszeiten pro Tag, die mit Ruhezeiten (Wiederkäuen) einhergehen.

Fortplanzung – Entwicklung – Krankheiten

Zusammenleben 

 
 Brunftzeit 

September – Oktober
Brunft ist heftiger, wenn es kühl ist. In warmen Nächten ist es still. 

Die Brunft geht von den Tieren aus, die aber nur wenige Tage brunftig sind (führende Stücke zuerst, Schmaltiere zuletzt). Durch eine Absonderung aus dem Feuchtblatt und durch besondere Ausdünstung haben die Tiere einen eigenartigen Geschlechtsgeruch angenommen, der den Brunfttrieb bei den Hirschen auslöst und sie zum Kahlwildrudel lockt. Die Brunft beginnt meist Mitte September und geht bis Mitte Oktober. Klimatische Verhältnisse, Höhenlage usw. beeinflussen die Brunft und lassen in manchen Gebieten den Brunftbetrieb eher bzw. später beginnen und enden. Bei warmer Witterung kommt die Brunft langsam in Gang und zögert sich hin, warme Tage und Nächte lassen den Brunftbetrieb meist völlig ruhen. Bei kalter Witterung kommt sie schneller in Gang, der Brunftbetrieb ist regeund die Brunft erreicht auch früher ihren Höhepunkt. Am regsten ist der Brunftbetrieb in den frühen Morgenstunden, den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden. Jüngere und starke Hirsche treten früher in die Brunft, ältere später. Mit Beginn der Brunft wird der Hirsch zunehmend rastlos, dreist und wild, verliert die ihm angeborene Heimlichkeit und durchstreift - auch tagsüber - erregt und unruhig, immer auf der Suche nach dem Tier, die Wälder. Häufig werden dabei die vorjährigen Brunftplätze (Kahlflächen, Bergkuppen, Waldblössen und Wiesen), die meist inmitten von Dickungen oder Stangenhölzern liegen, aufgesucht. Dies sind in der Regel zugleich die Einstände des Kahlwildes. Sie werden durch Harnspritzen und Bodenwälzen auch geruchlich markiert. Häufig folgt dieser Handlung das Bodenforkeln (Imponierverhalten). Die alten, meist auch die stärksten Hirsche schreien wenig. Während der Brunft treiben die starken Hirsche (Platzhirsche) das Kahlwild zu einem Rudel zusammen (Herden) und melden damit Besitzansprüche an. Geringe Hirsche werden abgeschlagen. Eine Ausnahme hiervon ist der Beihirsch, der, wenn auch in respektabler Entfernung, beim Rudel steht und geduldet wird und gelegentlich auch zum Beschlag kommt. Bei gleich starken Hirschen, aber auch, wenn ein stärkerer Hirsch auftaucht, werden heftige und geräuschvolle, stark ritualisierte Kämpfe auf dem Brunftplatz ausgetragen (Aggression, Breitseits-Imponierschreiten). Im Kampf mit dem Nebenbuhler können Verletzungen auftreten. So kommt es immer wieder vor, dass ein Hirsch den anderen forkelt, d.h. ihm mit dem Geweih (meist mit dem Stangenende oder mit den Augspross) Stichverletzungen beibringt, die tödlich verlaufen können. Nicht weniger selten kommt es vor, dass sich zwei Hirsche verkämpfen. Sie verfangen sich dabei mit den Stangen derart ineinander, dass sie sich nicht wieder trennen können und verenden. Im Verlauf der Brunft beschlägt der Hirsch die Tiere. Die Begattung dauert nur wenige Sekunden. Während der Brunft können die Hirsche bis zu 20% ihres Körpergewichtes verlieren.

Tragzeit 

ca. 34 Wochen (8 Monate)

Setzzeit 

Mai – Juni

Nachwuchs 
Kalb200x150komp

1 selten 2 Kälber
Geburtsgewicht 6 – 8 kg

Säugezeit 

ca. 7 – 9 Monate

Selbständigkeit 

 

Geschlechtsreife 

 

Höchstalter 

Rotwild kann je nach Umweltbedingungen 16 bis 20 Jahre alt werden.

Natürliche Feinde 
Natürliche Verluste 
Sonstige 

Luchs, Wolf, Bär

Infektionskrankheiten 
Parasitäre Erkrankung 

Salmonellose, Milzbrand, Tuberkulose, Maul und Klauenseuche
Magenwürmer, Räude, Zecken, Dassellarve, Leberegel

Bestandszusammensetzung 

Der Hirsch lebt in Rudeln. Kahlwildrudel mit Jungtieren und Hirschrudel.
Ältere Hirsche sind in der Regel Einzelgänger. Weite Wanderungen zwischen Sommer und Wintereinstand sind heute leider nicht mehr möglich

Bestandsstatus

 

Bestandstrend

 

Erkennung der Anwesenheit im Revier und Hege

Wildschaden 

Schälschäden kommen vor, wenn das Rotwild Langeweile oder Hunger hat.

  • Sommerschälung ist schlecht für den Baum, weil sich viel Saft in der Rinde befindet und sie sich deshalb leicht ablösen lässt.
  • Die Winterschälung wirkt sich nicht so schlimm auf dem Baum aus, wie eine Sommerschälung.

Gegen Schälschäden kann man zwar durch Vernarben, mit Dragthosen und Einzäunen vorgehen. Diese Massnahmen sind aber sehr aufwändig und meist nicht zielführend.

Losung 

Die Losung des Rotwilds besteht ausschliesslich aus den unverdauten Rückständen der pflanzlichen Äsung und ist dementsprechend faserig. Sie ist fest im Winter, eher breiig im Sommer und findet sich oft in der Nähe von Futterplätzen und im Bereich von Lichtungen.

Trittsiegel
TrittHirschG200

Das Trittsiegel von Hirsch und Tier des Vorderlaufes ist um ca. 1 cm stärker und breiter als das des Hinterlaufes, auch die äussere Schale des Vorderlaufes ist etwas länger als die innere. Der Schalenrand wird als Schalenwand oder Sensel bezeichnet. Das Trittsiegel eines Hirsches ist ca. 8 bis 9 cm lang und 6 bis 7,5 cm breit, das eines Tieres 6 bis 6,5 cm lang und 4 bis 5 cm breit. Die Größe des Trittsiegels ist auch abhängig von der Wildbretstärke und vom Alter. Die Schale nimmt im Laufe des Lebens an Umfang zu. Bei einem deutlichen Trittsiegel des Hirsches sind - besonders in der Feistzeit - auch die Ballen abgedrückt. Sie machen ca. ein Drittel der Länge des Trittsiegels aus. Bei weiblichem Rotwild drücken sich die Ballen nur beim hochbeschlagenen Stück ab. Die Stümpfe (Schalenspitzen) sind beim Hirsch stärker abgerundet (rundbogenförmig), beim Tier spitzer (spitzbogenförmig). Mit zunehmendem Alter werden sie beim Hirsch immer abgerundeter; er wechselt sie ab. Verschiedene Merkmale des Fährtenabdrucks wie Burgstall, Näslein, Fädlein usw. zählen zu den Hirschgerechten Zeichen.

Fährte 

Es werden drei Gangarten unterschieden:

  • Das Ziehen (Schritt)
    Beim Ziehen wird der Hinterlauf fast deckungsgleich in das Trittsiegel des Vorderlaufes gesetzt.
  • das Trollen (Trab)
    Beim Troll ist der Abstand der Trittsiegel voneinander größer als beim Ziehen, auch sind diese vorwärts geschoben und unklar abgedrückt. Bei rascherem Troll setzt das Wild den Hinterlauf vor das Trittsiegel des Vorderlaufes. Je schneller die Gangart, desto weiter befindet sich das Trittsiegel des Hinterlaufes vor dem des Vorderlaufes.
  • die Flucht (Galopp)
    Ist Wild hochflüchtig, so zeigt das Trittsiegel deutlich gespreizte Schalenund das Geäfter wird mit abgedrückt. Da bei der Flucht alle vier Schalen fast gleichzeitig den Boden berühren, liegen die Trittsiegel der Hinterläufe vor denen der Vorderläufe.

Der Abstand der einzelnen Tritte voneinander ist die Schrittlänge. Sie nimmt mit der Stärke des Stückes zu. Die Schrittlänge eines jagdbaren Hirsches beträgt ca. 55 bis 65 cm, die eines Alttiers ca. 40 bis 50 cm (Hirschgerechte Zeichen).
Der Schrank oder das Schränken bezeichnet i.A. die Abweichung der Tritte in einer Fährte von der Körpermittellinie. Die Trittsiegel von jungem Rotwild bilden bei ruhiger Gangart fast eine Linie, es schränkt kaum. Je stärker ein Stück ist, um so mehr schränkt es. Der Hirsch schränkt im Ziehen und im Troll stärker als das Tier. Je rascher Rotwild sich fortbewegt, um so mehr verringert sich die Weite des Schranks. Der Hirsch schränkt am stärksten während der Feistzeit (ca. 14 cm), am wenigsten nach der Brunft. Das Tier schränkt am stärksten im Frühjahr (ca. 6 cm), wenn es hochbeschlagen geht.

Hege 

Zur Vermeidung von Verbiss- und Schälschaden sind störungsfreie Wildäcker und -wiesen (Wildäsungsflächen) nahe den Einständen anzulegen und in Verjüngungen Wildäsungspflanzen einzubringen; Wildfütterung und Verbissgarten. 

Hege mit der Büchse 

Abschuss aller schwachen Stücke, besonders aber alles kümmernden (kranken) Wildes. Auslese durch Abschuss der schlecht veranlagten Hirsche oder der schlecht vererbenden Stücke (Stück mit schwachem Kalb). Beim Abschuss von Tier und Kalb muss in jedem Fall das Kalb zuerst geschossen werden. Hohe Abschussquote bei Jungwild; es sollten alle Stücke, die keine oder nur wenig gute Anlagen zeigen, erlegt werden. Bei Rotwild ist eine Wilddichte von ein bis vier Stück je 100 ha tragbar. Für Rotwild-Randgebiete ist eine Wilddichte von 0,75 Stück je 100 ha angemessen. Die Rotwild-Dichte muss den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Dabei ist auch noch anderes im Revier vorhandenes Schalenwild zu berücksichtigen. Je besser das Biotop ist, d.h., je mehr Äsung vorhanden ist und je besser sie ist, desto höher kann die Wilddichte sein.

Bejagung

Jagdzeiten DE, AT, CH  

 

Jagdsignal 

Hirsch tot! Den edlen Hirsch im tiefen Tann
nach hoher herrlicher Pursch ich mir gewann.
Halali Halali

Jagd 

Als Jagdart hat in den meisten Fällen die Ansitzjagd Relevanz. Auch gibt es Bewegungsjagden wo gezielt auf Rotwild angesessen wird, der Schuss auf ein flüchtiges Stück ist auch unter dem Gesichtspunkt der Wildfleischverarbeitung verpönt.
Die bekannteste Jagdart auf das Rotwild ist die Lockjagd bei der die verschiedenen Brunftschreie nachgeahmt werden. Der Jäger behilft sich hier verschiedenster Hilfsmittel und versucht den Brunfthirsch anzulocken. Diese Jagdart ist eine ganz besondere Kunst und so manch Jäger ist hier schon gescheitert.

Ansprechen der Hirsche 

Eine große Hilfe bei der Beurteilung der Hirsche, besonders der jüngeren, ist die sogenannte Dreiecksregel oder Rechtecksregel. Sie bedeutet:
Ein Hirsch, bei dem eine Geweihstange eine lange Augsprosse, eventuell eine lange Eissprosse, kürzere Mittelsprosse und kurze Gabelenden oder Kronenenden oder einen Spiess aufweist und bei dem die Ausformung der Geweihstange mit einem Dreieck umrissen werden kann, ist kein Zukunftshirsch. Hat ein Hirsch hingegen eine Geweihstange mit einer langen Aug-, eventuell einer langen Eis- und einer genausolangen Mittelsprosse sowie relativ lange Gabel- oder Kronenenden, deren Ausformung mit einem Rechteck umrissen werden kann, ist er ein vielversprechender Zukunftshirsch. Beim Ansprechen der Hirsche werden hinsichtlich der Körpermerkmale drei Altersgruppen unterschieden:

  • 1. Die jungen Hirsche vom ersten bis vierten Kopf. Schlanker schmaler Körper auf hohen Läufen, schmaler spitzer Kopf, aufrecht gehaltener bzw. hochgereckter Träger mit geringer Mähne; kein Widerrist. Das Gewicht ist gleichmäßig auf alle vier Läufe verteilt. Die Rückenlinie ist noch gerade, der Spiegel spitz. Nach dem vollendeten ersten Lebensjahr, das ist ab dem 1. April des auf das Setzen folgenden Jahres, ist die Unterscheidung der Geschlechter Hirsch und Tier verhältnismäßig einfach. Der Hirsch vom ersten Kopf steht im zweiten Lebensjahr, er schiebt im April/Mai sein erstes Geweih und verfegt im September. Es sind meist Spiesse. Einige zeigen jedoch bereits die Gabel oder, was sehr selten vorkommt, eine kleine Krone. Das Erstlingsgeweih kann niedriger oder höher als die Lauscher sein, breit- oder enggestellt, in einigen Fällen haben die Stangen unterschiedliche Längen. Ideal ist das breitgestellte, mit stumpfen Enden ausgestattete, über die Lauscher reichende Geweih mit gleich hohen Stangen. Die stumpfen brandigen Enden (Abbrändler), speziell beim Gabler, weisen erfahrungsgemäss auf einen zukünftig starken Hirsch hin. Hirsche mit dieser Geweihbildung sind zu schonen. Der Hirsch vom ersten Kopf zeichnet sich durch einen extrem schlanken und hochgereckten Träger ohne Mähne aus. Er ist relativ hochläufigund der Körper hat noch rehähnliche Formen. Der Kopf ist schmal und spitz, die Lichter sind groß, der Blick erscheint kindlich und neugierig. Er steht oft im Kahlwildrudel. Der Hirsch vom zweiten Kopf sollte mindestens die Gablerstufe zeigen. Er kann aber bereits Sechs-, Acht- oder Zehnender sein. Eine höhere Endenzahl ist sehr selten. Spiesser vom zweiten Kopf sind unerwünscht und sollten ebenso wie der Gabler mit Augsprosse dem Abschuss verfallen. Im Unterschied zum einjährigen Gabler, der die Gabel oberhalb der Stangenmitte, oft auch am Stangenende ansetzt (Hochgabler), ist die tief angesetzte Augsprosse ein typisches Merkmal für das Geweih vom zweiten Kopf. Ein weiteres Kriterium sind die nunmehr vorhandenen Rosen. Der Hirsch vom zweiten Kopf hat Anfang September verfegt, während der Hirsch vom ersten Kopf in dieser Zeit noch im Bast steht; auch dies erleichtert bei Aufgang der Jagd dem Jäger das Ansprechen. Der Gesichtsausdruck beim Hirsch vom zweiten Kopf ist noch jugendlich, er ist aber bereits stärker im Wildbret, der Träger wirkt ebenfalls stärker, die Brunftmähne nimmt deutlich zu. Soweit er noch Spiesse trägt, zeigen diese nach hinten und sind leicht gebogen. Der Hirsch vom dritten und vierten Kopf ist massiger, sein jugendliches, spitzes Haupt wird nun stumpfer und der Träger stärker. Bei Hirschen vom dritten und vierten Kopf deuten gleichmäßig lange stumpfe Enden, die oben Masse und vielleicht schon eine Krone angedeutet haben, auf eine gute Geweihbildung hin. Hat der Hirsch hingegen kurze, spitze, blankpolierte Enden, die Masse unten, d.h. einen starken Augspross und einen hoch angesetzten geringen Mittelsproß, deutet dies auf keine gute zukünftige Geweihbildung hin. Dieser ist deshalb bevorzugt zu erlegen.
  • 2. Die mittelalten Hirsche vom fünften bis achten Kopf haben bereits einen massigen und viereckig wirkenden Rumpf. Der Träger mit starker Mähne wird nicht mehr so aufrecht getragen, der Kopf erscheint kurz. Zwischen Träger und Rumpf beginnt sich bereits ein Widerrist abzuzeichnen. Der Schwerpunkt des Körpers verlagert sich merklich nach vorne. Die Winkel an den Keulen werden stumpfer. Das Geweih ist Ende Juli bereits verfegt.

  • 3. Die alten Hirsche vom neunten Kopf und älter erscheinen kurzläufig. Der Rumpf ist massig, mit eindeutiger Schwerpunktverlagerung nach vorne. Der Kopf wirkt kurz und breit. Der Träger wird sichtlich waagrecht getragen. Die Mähne ist stark ausgeprägt, der Widerrist ist klar erkennbar. Die Konturen sind grob, der Rücken gesenkt, der Winkel an den Keulen sehr stumpf. Er hat einen deutlichen Vorschlag und steht meist allein. Er ist ein Einzelgänger. 

Ansprechen der Kälber,  Schmaltiere und Alttiere 
Kaelberflecken200x199komp

Die Mitte Mai bis Mitte Juni gesetzten Kälber zeigen meist bis zum Haarwechsel im Herbst die sogenannte Kälberflecken. Nur in Ausnahmefällen sind diese an älteren Stücken noch sichtbar. Schwierig ist es, das Hirschkalb vom Wildkalb zu unterscheiden. Die häufig dunklere Färbung des Hirschkalbes kann nur bedingt zur Unterscheidung herangezogen werden und ist in der Regel nur möglich, wenn Hirsch- und Wildkalb zusammenstehen. Leichter und sicherer zu unterscheiden sind sie im Dezember und Januar, wenn das Hirschkalb die Rosenstöcke gebildet hat. Wenn im Spätherbst ein starkes Kalb und ein schwaches Schmaltier zusammenstehen und gleich groß scheinen, dienen beim Kalb der relativ kurze Hals und das kitzartige, kurze und kindlich-neugierige Gesicht als Unterscheidungsmerkmal. Das Schmaltier hat im Gegensatz zum Alttier noch einen jugendlichen Gesichtsausdruck und ist auch geringer, die Bauchlinie verläuft fast gerade. Am unentwickelten Gesäuge ist zu erkennen, dass es kein Kalb führt bzw. noch keines geführt hat. Das Alttier hat eine leicht gewölbte Bauchlinie; je älter es ist, desto mehr wölbt sie sich. Die Körperform ist gestreckt und viereckig, der Träger ist dünn und lang, die Flanken sind eingefallen.

Schuss 
Rothirsch Gerippe

 
Zeichnen - Schusszeichen

Beim Rotwild lassen sich die Schusszeichen normalerweise deutlich erkennen. So lässt ein Aufsteilen auf einen Treffer im Brustraum („Kammerschuss“) schliessen. Dieser ist erwünscht, weil er sofort tödlich ist. Meist nicht sofort tödlich ist ein Waidwundschuss: Das Tier macht einen ausgeprägten „Buckel“ und wird flüchtig. Schlagartiges Zusammenbrechen, wieder Hochwerden nach wenigen Sekunden bedeutet einen Treffer an einem Dornfortsatz eines Rückenwirbels („Krellschuss“) hin.
Blattschuss, Hochblatt, Tiefblatt, Leberschuss, Nierenschuss, Krellschuss, Laufschuss, Weichschuss

Aufbrechen 

 

Wildbret 
RotwildWildbretFleischstueckeG200komp

Ausgewachsenes Rotwild erreicht ein Gewicht bis zu 150- 200 kg. Bevorzugt wird das Fleisch von 50 bis 90 kg schweren Tieren. Hirschfleisch hat eine braunrote Färbung, das Fleisch von Jungtieren ist feinfaserig. Während der Brunft kann das Fleisch des Hirsches einen geschlechtsbezogenen Geschmack haben.

Altersbestimmung 

Bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres kann nach der Zahnentwicklung das Alter des Rotwilds genau bestimmt werden. Ab dem zweiten Lebensjahr ist an den Zähnen nur noch eine Altersschätzung nach den Abnutzungsgraden der Backenzähne möglich. Das Alter eines zweijährigen Stückes kann zwar noch bis zum 31. Lebensmonat an der hellen Färbung der kurz vorher gewechselten Prämolaren und an den erschienenen dritten Molaren erkannt werden, bei alten Stücken sind Rückschlüsse auf das Alter an den Prämolaren sowie an den Kunden der Molaren möglich. Nach E. Wagenknecht ("Altersbestimmung des erlegten Wildes", Melsungen 1976) kann als Anhalt für die Altersschätzung der jeweilige Abnutzungsgrad der Backenzähne gelten.
Im Alter von zwanzig Jahren und älter ist die Zahnreihe bereits unregelmäßig. Zum Teil fehlen einige Zähne, z.T. ragen sie infolge fehlenden Gegenbisses hoch heraus. Neben der für die Praxis ausreichenden und bewährten Methode für die Altersschätzung nach dem Abnutzungsgrad der Backenzähne liefert die Altersbestimmung nach der Ablagerung von Zahnzement in den Molaren gute Ergebnisse (Längsschnitt durch den M I des Unterkiefers). Die Altersbestimmung kann jedoch nur im Labor durchgeführt werden. Auf der Unterseite des Zahnes zwischen den Wurzeln wird der Zahnzement bereits ein Jahr nach Erscheinen des Zahnes abgelagert. Die Ablagerung erfolgt in unterschiedlich gefärbten Schichten, wobei zu den gezählten Jahresschichten ein Jahr hinzugerechnet wird; Zahnschliff. Bedingt feststellen kann man das Rotwild-Alter auch nach dem Durchmesser und der Höhe der Rosenstöcke. Allg. Bestimmungsformeln können jedoch nicht festgelegt werden, sie sind je nach Biotop unterschiedlich.

Trophäen

Geweih, die Grandeln (obere Eckzähne verkümmert), der Hirschbart, Decke und Abwurfstange

Medizinische Verwendung 

 

Literatur

  • Robert D. Brown (Hrsg): The Biology of Deer, Springer Verlag, New York, ISBN 3-540-97576-4
  • Wilfried Bützler: Rotwild – Biologie, Verhalten, Umwelt, Hege, blv Verlag, München 2001, ISBN 3-405-16174-6
  • P. Kraus: Weiser für die Rotwilddichte? , Die Pirsch, Band 12, S. 792 - 795
  • Ferdinand von Raesfeld und Kurt Reulecke: Das Rotwild. Paul Parey, Hamburg und Berlin, 9. Auflage, 1988, ISBN 3-490-40812-8
  • Werner Rösener: Die Geschichte der Jagd – Kultur, Gesellschaft und Jagdwesen im Wandel der Zeit, Patmos Verlag, Düsseldorf 2004, ISBN 3-538-07179-9
  • Egon Wagenknecht: Der Rothirsch. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 129, Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 1996, ISBN 3-89432-500-3
  • Egon Wagenknecht: Rotwild. 5., überarbeitete und erweiterte Auflage. Nimrod, Suderburg 2000, ISBN 3-927848-24-7
  • David Yerex: Deer - The New Zealand Story. Canterbury University Press, Christchurch 2001, ISBN 1-877257-10-9
  • Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: "Knaurs Großes Jagdlexikon", Mit über 1600 meist farbigen Abbildungen. Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5