Schwarzwild (Sus scrofa)

Paarhufer 

Schwarzwild          [Glossar]          [Altersbestimmung]

Allesfresser

Kulturfolger

Nachtaktiv

Kurzinfo 

Das Wildschwein ist das einzige in unseren Breiten lebende Schalenwild, das kein Wiederkäuer ist. Es ist ein sehr anpassungsfähiger Allesfresser und vermehrt sich durch den verstärkten Anbau von Mais stark. Als Kulturfolger wandert es verstärkt in besiedelte Bereiche ein.
Das Schwarzwild lebt in Rotten zusammen. Keiler sind Einzelgänger und finden sich nur zur Rauschzeit bei der Rotte ein. Schwarzwild wurde durch den erhöhten Jagddruck nachtaktiv. Tagsüber stehen sie in der Dickung. Der Schlafplatz wird bei Einzelstücken Lager, bei der Rotte Kessel genannt. Schwarzwild suhlt gerne im Schlamm und benutzt Malbäume an denen es seine Schwarte reibt.

Lateinischer Name 
Englischer Name 
Sammelbegriff 
Synonyme 

Sus scrofa scrofa, Linnæus 1758
wild boar, wild swine, Eurasian wild pig
Schwarzwild, Ful
Grobwild, Sau, Schwarzkittel, Wildsau, Wildschwein

Männliches Tier 

Keiler, Urful, Wildbeer, Wildeber

Entwicklung

Frischlingskeiler < 1 Jahr > Überläuferkeiler, im 2. Jahr > geringer Keiler, 2-3 Jahre > angehendes Schwein, 3 bis 4 Jahre > Hauer, 5-6 Jahre > Hauptschwein > 7 Jahre > Bacher > Basse, Urian, Eingänger, gutes Schwein

 

Squeaker, 0–10 months > Juvenile, 10–12 months > Pig of the sounder, Two years > Boar of the 4th/5th/6th year, 3–5 years > Old boar, Six years > Grand old boar, Over seven years > "Solitary boar"

Weibliches Tier 

Bache, führenden Bache, Leitbache

trächtiges Tier

beschlagene Bache, hochbeschlagene Bache

Entwicklung

Frischlingsbache < 1 Jahr > Überläuferbache, im 2. Jahr > Bache > Geltbache

Nachwuchs 

Frischling > Überläufer

mehrere Tiere 

Rotte, Häufel, Häuflein

Dazu gehörige 
Artikel 

Glossar

Altersbestimmung

Schwarzwildbejagung

Wissenswertes 

Das Wildschwein ist der einzige Nichtwiederkäuer unter dem Schalenwild und die Stammform des Hausschweins. Als Allesfresser ist es sehr anpassungsfähig. Auf der Suche nach Frass können Wildschweine bis zu 20 km pro Tag zurücklegen. Wildschweine zählen zu den cleversten Tieren des Waldes und sind heutzutage überwiegend nachtaktiv.
Schwarzwild suhlt gerne im Schlamm, um sich im Sommer abzukühlen und Parasiten zu bekämpfen. Danach scheuern sie sich meist am Malbaum. Dieser liefert dem Jäger, durch die Höhe der Schlammkruste Hinweise über die Größe des Wildschweins. Zusammen mit den Trittsiegeln an der Suhle kann neben der Anzahl auch das Alter durch erfahrene Jäger hinreichend genau bestimmt werden.
Schwarzwild hat eine hohe Lernfähigkeit, ein gutes Gedächtnis und ein ausgeprägtes Zeitempfinden sowie eine deutlich größere Hirnmasse als Hausschweine (ca. 33%).
Gute Mastjahre führen zu einer Vermehrung von 150 bis 200% des Frühjahrsbestandes. Eine Wilddichte von 0,5 bis 2,5 Stück pro 100 ha gilt als tragbar.
Bachen sind im 4. und Keiler im 5. Lebensjahr ausgewachsen.
Schwarzwild ist ein sehr wehrhaftes Wild. Schon ein Frischling zeigt einer nicht auszuweichenden Gefahr gegenüber Mut, viel mehr noch der starke Keiler, v.a. aber die führende Bache, die durch den Notschrei eines ihrer Frischlinge zu einem für den Menschen und für die Jagdhunde lebensgefährlichen Gegner werden kann.

Lautäußerung 

Es gibt zehn Grundmuster, wobei zahlreiche Übergänge und Mischungen möglich sind, die jeweils bestimmten Stimmungslagen zuzuordnen sind. So kann der normale Stimmführungslaut „Grunzen“ je nach Zeitdauer und Frequenz einen Hunger-, Angst-, Beschwichtigungs- oder Lockruf bedeuten.

Der Kontakt zwischen Bache und Frischling wird durch unterschiedliche Lautäußerungen, z.B. durch den Bettellaut der Frischlinge, hergestellt. Nichtführende Bachen und Keiler reagieren darauf nicht.
Brechende Sauen grunzen und schmatzen. In einer vertraut brechenden Rotte halten die Tiere über leise Grunzlaute Kontakt miteinander
Bei Gefahr, Erregung und Unsicherheit wird durch Blasen gewarnt. Sind Sauen in Not geraten, stossen sie ein helles, sehr lautes Quieken aus, das sich bei höchster Gefahr zu einem Kreischen steigern kann. Als Drohlaut gegenüber anderen Sauen oder dem Menschen dient ein tiefes, langgezogenes Brummen.
Alte Keiler und Leitbachen besonders schweigsam, während Frischlinge mit Abstand die meisten Lautäußerungen von sich geben.
Wird ein weidwunder Keiler von Hunden gestellt oder stehen sich zur Rauschzeit zwei Rivalen gegenüber, ist das Wetzen der Waffen zu hören.

Kommunikation visuell 

 

Kommunikation chemisch 

 

Herkunft 

Einheimisch DE, AT, CH, Südtirol

Vorkommen 

Europa, Nordafrika, Asien, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie in Australien und Neuseeland.
Noch im 19. Jahrhunderts war das Vorkommen des Schwarzwilds in Deutschland (z.B. Saupark Springe) und Österreich auf Gatterreviere und Wildparks beschränkt. Obwohl früher fast über ganz Europa mehr oder weniger stark verbreitet, war es in vielen Gegenden fast ausgerottet. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Schwarzwild aber durch ungenügende und oder falsche Bejagung stark vermehrt und hat in den letzten Jahrzehnten (etwa seit 1980) eine beträchtliche, teilweise eine explosionsartige Bestandsvermehrung auch aufgrund des besseren Frassangebots erfahren (zum Vergleich: 1981 wurden bundesweit 150.000 Stück erlegt, im Jagdjahr 1999/2000 mehr als 400.000 Stück). Es kommt in Deutschland überall dort vor, wo es klimatisch günstige Bedingungen sowie Feld-Wald-Landschaften vorfindet und geduldet wird. Die grössten Vorkommen sind in Niedersachsen (Harz, Solling), Rheinland-Pfalz, Hessen, in Teilen Bayerns sowie in Neubrandenburg und Schwerin.

Lebensraum (Biotop

Malbaum

 

Lager Überläuferkeiler

Suhle

Schwarzwild ist ein Kulturfolger und schätzt feuchte und sumpfige Flachlandgebiete und waldreiche untere Berglagen. In der Schweiz dringt es im Sommer bis auf über 2.000 m hohe Almweiden vor. Vorzugsweise leben Wildschweine in großen Laubwäldern mit Bucheckern- und Eichelmast. Ein Anzeichen der ausserordentlichen Anpassungsfähigkeit ist die Besiedlung der Städte (Berlin). Schwarzwild braucht Wasser zum Schöpfen, Suhlen und Malbäume, die nicht nur der Körperpflege dienen, sondern auch wichtige Markierungspunkte im Revier darstellen. Zur Markierung dienen auch spezielle Losungsplätze und Plätze wo genässt wird. Diese werden von allen Rottenmitgliedern synchron genutzt.
Frassplätze werden von verschiedenen Rotten gemeinsam genutzt, wobei ein Abstand von ca. 50 m eingehalten wird. Ruheplätze (Schlafkessel) werden gegen eindringende, fremde Rotten verteidigt.
Keine Annäherung duldet die Bache an den Wurfkessel mit den neugeborenen Frischlingen. Er wird auch gegen Rottenmitglieder, selbst ranghöhere, verteidigt.
Die Aktionsräume unterliegen beträchtlichen jahreszeitlichen Schwankungen. Bei Rotten reicht die Spanne von minimal 80 ha im Berliner Grunewald bis maximal 7.500 ha in Südfrankreich. Schwarzwild ist standorttreu, aber umherwandernde Überläufer können auf der Suche nach geeigneten Einständen weite Strecken bis max. 250 km zurücklegen.

Reviergrösse 

Schwarzwild hat kein eindeutig abgegrenztes Territorium. Bestimmte „Einrichtungen“ wie z.B. Frassplätze, Suhlen, Malbäume. ungestörte Tageseinstände sind jedoch wichtig für ihre Standorttreue.

Lager/Kessel 

 

Lebensweise 

Schwarzwild lebt gesellig in Rotten. Es ist aufgrund des Jagddrucks Dämmerungs- und nachtaktiv. Der natürliche Aktivitätsrhythmus ist „umgekippt“. Nach telemetrischen Untersuchungen weist die nächtliche Aktivität zwei signifikante Höhepunkte, zwischen 18.00 und 21.00 Uhr und gegen 01.00 Uhr, auf, die immer mit Ortsveränderungen und Nahrungssuche verbunden sind. Von der Gesamtaktivität entfallen etwa 85% auf die Nahrungssuche. Der „Kern“ der Rotte wird aus der Mutterfamilie, bestehend aus einer Bache mit ihren Frischlingen gebildet.
Überläuferkeiler bilden selbständige Rotten.
Alte Keiler leben als Einsiedler; sie schliessen sich der Rotte nur zur Rauschzeit an.
Die Führung der Rotte übernimmt die älteste Bache (Leitbache), die den Tagesablauf und die Ortsveränderungen bestimmt. Überläuferkeiler werden von der Bache beim Erreichen der Pubertät aus der Rotte vertrieben, während Überläuferbachen in der Rotte verbleiben.Alle Rottenmitglieder sind eng miteinander verwandt, fremde Stücke werden nicht geduldet. Der soziale Status innerhalb der Rotte ist nach Körperstärke und Alter abgestuft.  Bei Verlust der Leitbache, zu großer Rottenstärke oder Nahrungsmangel teilt sich die Rotte. Tagsüber stecken die Rotten mit Vorliebe still und faul mit Ruhezeiten von 13 bis 16 Stunden im EinstandVor dem Einwechseln in die Tageseinstände am frühen Morgen, sucht es gerne Wasserstellen und Suhlen auf. Ganz junge Frischlinge suhlen noch nicht.
Rotten sind im Kessel; die einzelne Sau im Lager. Die Rotte schiebt sich mit den Häuptern zur Mitte, in den Kessel.
Schwarzwild ist, vor allem wenn es angegriffen wird, sehr mutig.
Es rinnt (schwimmt) ausgezeichnet und überwindet große Gewässerbreiten über mehrere km mühelos.

Überwinterung 

 

Nahrung und Nahrungserwerb 
Eichelmast

Wildschweine sind Allesfresser.

Im Wald und auf Wiesen bricht es mit dem Gebrech nach Erdmast (Untermast). Sie bevozugen Bucheckern, Eicheln, Walnüsse, Kastanien, Mais, Roggen, Hafer und Kartoffeln (keine Stärkekartoffeln). Auch Insekten, deren Larven und Puppen; Mäuse, Würmer, Aas, Rüben, Pilze und Klee; besonders führende Bachen zeigen eine Vorliebe für Kitze, Setzhasen und Jungkaninchen.

Fortplanzung – Entwicklung – Krankheiten

Zusammenleben 

Ab Oktober verlassen die Keiler ihre Sommereinstände und schliessen sich den Rotten an. 

Rauschzeit 

Die Rauschzeit beginnt gewöhnlich Anfang November und dauert bis Ende Januar und wird von der Leitbache bestimmt (Rauschsynchronisation), damit die Bachen in der Rotte die Frischlinge zum gleichen Zeitpunkt werfen. In dieser Zeit erfolgen 80% der Beschläge. Bachen, die ihre Frischlinge früh verloren haben, oder erfolglos beschlagen wurden, rauschen oft ein zweites Mal.
Fehlt die Leitbache so kommt es in Rotten zu einer gestörten Sozialstruktur und es ist eine ganzjährige Rauschzeit möglich (Rauschchaos).
Im Gegensatz zu anderen Schalenwildarten sind Keiler das ganze Jahr über befruchtungsfähig.

Tragzeit 

16 – 17 Wochen (3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage)

Wurfkessel 
Frischkessel 

Die Bache setzt sich kurz vor dem Frischen von der Rotte ab und sucht sich einen Frischplatz.
Den Wurfkessel errichtet die Bache aus Blättern, Sträuchern, Moos usw. Die Bache wählt dabei den Ort für den Kessel sorgfältig aus, damit dieser auch, soweit möglich, von der Sonne erwärmt werden kann. Der Wurfkessel dient weitgehend dem Sichtschutz gegen Beutegreifer, aber auch dem Schutz der empfindlichen Frichlinge vor feucht-kalter Witterung. Während der ersten Lebenstage der kälte- und nässeempfindlichen Frischlinge bleibt die Bache meist am Frischplatz. Nach ca. 14 Tagen schließt sich die Bache wieder der bestehenden Rotte an, sofern sie Teil eines solchen Rottenverbands vor dem Frischen war.

Wurf 

In einem geordneten Sozialverband wird i.d.R. März / April gefrischt. Ein zweimaliges Frischen einer Bache innerhalb eines Jahres kommt selten vor.
1 – 12 Frischlinge
Die Bache hat nur 10 Zitzen am Gesäuge.

Das Geschlechterverhältnis ist bei der Geburt ausgeglichen.

Frischlinge werden sehend und behaart gefrischt; Das Geburtsgewicht der Frischlinge liegt zwischen 600 g und 1100 g (Durchschnitt= 750 g). In den ersten zehn Lebenstagen können sie ihre Körpertemperatur nur unvollständig regulieren und müssen deshalb von der Bache im Frischkessel gewärmt werden
Der Wurfkessel wird, je nach Witterung nach ein bis drei Wochen aufgegeben.
Frischlingsbachen haben meist nur 1 bis 2 Frischlinge
Überläuferbachen haben meist 3 bis 5 Frischlinge
Alte Bachen haben 7 bis 8 (auch mehr) Frischlinge. Die Wurfgrösse wird im Greisenalter >8 Jahre wieder rückläufig bzw. die Leitbache wird abgelöst und Gelt.

Säugezeit 

3 bis 4 Monate
Bereits nach zwei Wochen wird erste feste Nahrung aufgenommen.

Selbständigkeit 

ab ca. 6 Monate
Bindung zwischen Bache und Frischlingen dauert in der Regel 1 ½ Jahre

Geschlechtsreife 

Mit acht bis zehn Monaten geschlechtsreif. Nach Untersuchungen in Niedersachsen sind in durchschnittlichen Jahren bereits 50 bis 60% der Frischlingsbachen an der Fortpflanzung beteiligt. Auch Frischlingskeiler sind schon fortpflanzungsfähig, werden aber in der Regel von alten Keilern abgedrängt. Günstige Ernährungsbedingungen fördern zusätzlich die frühe Geschlechtsreife.

Höchstalter 

Schwarzwild wird im Freiland 12 bis 13 Jahre alt, kann aber in Gefangenschaft bis 30 Jahre alt werden.

Natürliche Feinde 

Braunbär, Luchs, Wolf

Infektionskrankheiten
Parasiten

Schweineseuche, Schweinepest, Aujeszkysche Krankheit, Schweinelähmung
Holzbock, Magenwurm, Lungenwurm, Trichinen, Schweinefinne

Bestands-zusammensetzung 

Schwarzwild lebt gesellig in Rotten (Bachen, Frischlinge, Überläufer), vor dem Frischen setzen sich die Bachen von der Rotte ab.
Ältere Keiler, ab dem 3. Lebensjahr, sind meistens Einzelgänger, die nur während der Rauschzeit mit anderem Schwarzwild zusammenleben.
Auf ein männliches Stück kommen ca. drei weibliche Stücke.
Bestandsstatus  nicht gefährtet
Bestandstrend  deutliche Zunahme
Erkennung der Anwesenheit im Revier und Hege

Wildschaden 
Durch Wildschweine aufgebrochene Wiese

Aufbrechen von Wiesen, Fruchtschäden an Kartoffeln, Mais und Getreide.

Losung 
Wildschweinlosung

Die Losung des Schwarzwildes lässt sich von der anderer Schalenwildarten leicht unterscheiden. Abgesehen von der Frischlingslosung ist sie deutlich größer als die von Rot- und Damwild und steht im Gegensatz zur Losung aller übrigen Schalenwildarten in einem Verhältnis zur Körperstärke des Stücks.

Die Einzelstücke sind in aller Regel von fester Konsistenz als geformte Kotbeeren, die zusammengeballt zu Würsten abgesetzt werden. Nur nach intensiver Aufnahme von frischem Gras-Klee-Gemenge oder Obst kann die Losung breiig sein. Die Farbe ist unterschiedlich, reicht von braun bis fast schwarz und ist abhängig von der gegenwärtigen Hauptnahrung. Die Losungsstücke werden bei jüngeren Stücken eher einzeln, bei älteren Stücken öfter als zusammengedrückte Rolle abgesetzt, die bei einem starken Keiler bis zu 6cm dick sein kann.

Bei Schwarzwild als Standwild kann beobachtet werden, dass gleichmäßig verteilte Kot- und Nässstellen vornehmlich in der Nähe der Kessel und der Futterplätze liegen und dadurch auch zur Reviermarkierung dienen.
Durchziehendes Schwarzwild hält sich dagegen selten an diese Hygieneregel. Bei diesem findet man die Losung an den unterschiedlichsten Stellen auf und an den Wechseln.

Trittsiegel 
Trittsiegel Schwarzwild

Das Trittsiegel des Schwarzwilds ist langgestreckt, die Abdrücke der Schalenhälften sind in Form und Länge verschieden, in der Regel ist die innere Schalenhälfte bei jungem Schwarzwild geringer und kürzer, bei älterem (ab dem vierten Lebensjahr) ist der Unterschied nur noch sehr gering. Die flachen Ballen sind oval und machen etwa über die Hälfte des Trittsiegels aus. Das Geäfter, das beim Schwarzwild schmäler und spitzer ist als beim übrigen Schalenwild und dicht hinter den Ballen sitzt, wird immer mit abgedrückt; nur bei ganz jungen Stücken kann der Abdruck schwach sein oder sogar ganz fehlen. Das Geäfter wird schon beim Frischling sichelförmig, etwas seitwärts der Schalen, abgedrückt, dadurch erhält das Trittsiegel eine Trapezform. Daran ist ein Trittsiegel, auch wenn es undeutlich ist, von dem des Rotwildes zu unterscheiden, da letzteres etwa rechteckig ist.

Fährte 

Schwarzwildfährte

Schwarzwild tritt beim Ziehen mit dem Hinterlauf in das Trittsiegel des Vorderlaufes, bleibt jedoch i.a. etwas zurück, so dass der Schalenabdruck etwas verschoben und das Geäfter doppelt abgedrückt wird. Beim Ziehen und beim Trollen werden die Schalen etwas auswärts gesetzt. Auch Schwarzwild schränkt (Schrank), jedoch nicht so stark wie das Rotwild. Die Schrittweite eines zweijährigen Keilers beträgt bis zu 28 cm, eines drei- bis vierjährigen bis 42 cm, eines älteren, starken Keilers höchstens bis zu 46 cm. Da die Schrittweite eines Hirsches über 60 cm beträgt, ist eine Keilerfährte von der Hirschfährte auch daran zu unterscheiden. Bei hoher Schneelage pflügt das Schwarzwild wegen der kurzen Läufe eine Rinne in den Schnee und hinterlässt manchmal auch Streifspuren von den Borsten der Bauchseite. Bei der Fluchtfährte sind die Schalenabdrücke stark gespreiztund die Trittsiegel der Hinterläufe stehen erheblich vor denen der Vorderläufe.

Hege 

Nach §28 Abs. 1 BJG darf Schwarzwild nur in Gattern, die ein Ausbrechen unmöglich machen, gehegt werden. Schwarzwild darf nicht ausgesetzt werden. Es darf weder ein bisher nicht vorhandener Schwarzwildbestand begründet noch ein vorhandener übermäßig erhöht werden. In Gattern soll ein gesunder Bestand von kräftigen Stücken mit hohem Wildbretgewicht erreicht bzw. erhalten werden. Bei Frost und hoher Schneelage leidet Schwarzwild große Not, zu dieser Zeit muss besonders gut gefüttert werden. Die Fütterungen sollten ab November bis in das Frühjahr hinein beschickt werden, um das Wild gut durch den Winter zu bringen. Das Errichten eines Frischbettes kann man den hochbeschlagenen Bachen abnehmen. In geeigneten Dickungen werden Wände aus Pressstrohballen errichtet und befestigt. Diese sog. Saubuchten werden gerne angenommen.

Bejagung 

Jagdzeiten 

Die Jagd auf Keiler und Bachen ist in Deutschland nach der Verordnung über die Jagdzeiten vom 16. Juni bis 31. Januar erlaubt. Die Länder haben z.T. abweichende Regelungen. Überläufer und Frischlinge dürfen das ganze Jahr über bejagt werden. Die Bachen dürfen jedoch bis zum Selbständigwerden der Frischlinge, das sind etwa bis zu vier Monate nach dem Frischen, nicht erlegt werden. Schwarzwild darf zur Nachtzeit und außerhalb der Notzeit auch an Kirrungen bejagt werden. Ein Abschussplan für Schwarzwild ist nicht vorgeschrieben. Für seine Erlegung gelten folgende Grundsätze: Der Keiler gilt vom fünften Lebensjahr ab als jagdbar (hauendes Schwein). Erlegt werden sollen alle Frischlinge, die nach dem 15. Mai gefrischt wurden, alle schwachen Überläufer (und gescheckte Überläufer) und Stücke innerhalb einer Rotte, die in ihrer Entwicklung zurückgeblieben sind (sog. Kümmerer). Im Februar/März sollen keine Drückjagden durchgeführt werden. Auf der Drückjagd sind nur Sauen bis 40 kg freizugeben.

Jagd 

Das Schwarzwild kann auf Grund der unverwechselbaren Losung, an der Fährte, am Gebräch, an den Suhlen und an den Malbäumen bestätigt werden. 
Die Jagd richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten. Der Ansitz (auch in mondhellen Nächten) ist an Stellen, wo Sauen noch bei Büchsenlicht wechseln, an Suhlen oder nahe von mastspendenden Buchen und Eichen erfolgversprechend. Werden die Sauen jedoch sehr intensiv bejagt (Jagddruck), halten sie keine Wechsel ein und sind sehr unstet. In gut besetzten, wenig beunruhigten Revieren ist auch die Pirsch üblich. Da Schwarzwild schlecht äugt, kann der Jäger bei gutem Wind sehr nahe heranpirschen, was ihm eine genauere Auslese ermöglicht. Die Treib- und Drückjagd zählt zu den schönsten Jagden. Sie verspricht in der Regel nur Erfolg, wenn nachts Schnee fiel und mit Hunden gejagt wird. Bei einer Neuen wird am Morgen an den Fährten festgestellt, ob die Sauen im Kessel stecken. Wenn eine Rotte hintereinander wechselt, treten die einzelnen Stücke meist in die Tritte ihrer Vorgänger, so dass es schwierig ist, die Stärke der Rotte festzustellen. Die in einem Kessel steckenden Sauen werden eingekreist. Wichtig ist, dass Hunde dabei sind, da eine Treib- und Drückjagd ohne Hunde selten zum Erfolg führt und Sauen von Treibern kaum vor die Schützen zu bringen sind. Vereinzelt wird auch noch mit Saumeuten gejagt. Wird bei der Jagd mit einer Saumeute Schwarzwild von Saupackern gestellt, kann das Stück mit der Saufeder abgefangen werden, was jedoch kaum mehr praktiziert wird. Ein Keiler, der, von Hunden gestellt, den Jäger annimmt und dabei in die Blanke Waffe (meist Saufeder) rennt, läuft auf. Üblich ist auch die Riegeljagd (Ansitz-, Drückjagd), die eine gute Auswahlmöglichkeit gestattet. Die Schützen werden dabei auf Fernständen an den Hauptwechseln angestelltund das Wild wird durch vorsichtiges Beunruhigen den Schützen zugedrückt. Diese Jagd hat bei guter Durchführung den Vorteil, dass das Wild die Schützen vertraut anwechselt, erfordert jedoch große Waldkomplexe. Bei der Nachsuche auf angeschweisstes Schwarzwild ist zur eigenen Sicherheit und für den Fangschuss eine großkalibrige Faustfeuerwaffe mitzuführen. Wird mit dem Schweißhund nachgesucht, nehmen erfahrene Schweißhundeführer häufig einen mutigen und scharfen Terrier mit, um den wertvollen Schweißhund vor eventuellen Sauschlägen zu schützen. 
Bei früheren Jagdarten wurde zur Dezimierung der Sauen Saugruben für eine einzelne Sau und Saufänge für ganze Rotten angelegt, in denen das Wild lebend gefangen wurde. Die Parforcejagd auf Sauen wurde seltener durchgeführt und verlief wie die auf den Hirsch. Auch die Eingestellten Jagen unterschieden sich nicht von denen auf Hirsche. Bei der Sauhatz wurden die Sauen durch Finder aufgesucht und dann von Hatzhunden gepackt und gedeckt.

 Ansprechen 

Das Ansprechen bzw. die Altersschätzung des lebenden Schwarzwilds ist wegen des fast gleichen Aussehens der Geschlechter und wegen seiner nächtlichen Lebensweise besonders schwierig. Körpermasse und Waffen sind - besonders nach dem zweiten Lebensjahr - nur grobe Hilfsmittel, zumal die Körpermasse und -grösse wegen des großen Streubereiches keine dienlichen Anhaltspunkte geben können. In der Dunkelheit kann am ehesten der Pürzel etwas über seinen Trager verraten. Ist er länger als bei den anderen Sauen und hat er eine unübersehbare Quaste, macht sein Träger auch sonst einen massigen Eindruck (Karpfenrücken, stumpfwinkliger Hängebauch), so handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um ein Hauptschwein bzw. um einen Bassen. Bei Überläufern und Frischlingen ist das Geschlecht meist nicht zu bestimmen. Bis zu einem Alter von etwa drei bis vier Monaten haben die Frischlinge die für sie typischen Längsstreifen. Diese sind aber bereits im Alter von fünf bis sechs Monaten völlig verschwunden. Der Frischling kann, abgesehen von der geringen Größe, meist nur noch am kindlichen Gesichtsausdruck und an der fehlenden Pürzelquaste erkannt werden. Der Überläuferkeiler kann von der Überläuferbache bei gutem Licht und in der Sommerschwarte am Pinsel unterschieden werden. Häufig ziehen Überläuferkeiler bereits allein. Sobald die Keiler aber drei bis vier Jahre erreicht haben, sind sie an den Waffen und am Pinsel von den Bachen zu unterscheiden. I.d.R. haben diese Keiler auch einen höheren Widerrist, eine stärkere Quaste am Pürzel und eine gedrungenere Körperform mit gerader Rückenpartie. Die wulstartige Aufstülpung über dem Gebrech tritt deutlich hervor. Der jagdbare Keiler (fünf und älter) wirkt massig, der schwere Kopf macht fast ein Drittel der Körperlänge aus. Der Pürzel mit Quaste reicht über das Sprunggelenk. Das Gewaff ist deutlich sichtbar. Der Keiler ist fast ausschliesslich Einzelgänger. Die alte Bache hat einen langen Pürzel ohne Quaste, der Borstenwechsel erfolgt erst spät im Frühsommer. Bei sehr alten Bachen erscheint die Rückenlinie eingesenkt. Allg. ist die Körperform der Bachen nicht so gedrungen, dadurch wirken sie auch hochläufiger, sie haben meist auch einen längeren Wurf, so dass der Körper dadurch größer wirkt. Sie halten sich fast immer in Rotten auf.

Schuss 
Lage des Skeletts und der Organe beim Wildschwein

Es ist sehr hart und zeichnet auch nach einem guten Schuss kaum oder überhaupt nicht. Angeschossene Sauen ziehen weit und verenden nicht selten in der Fährte. Es muss daher ein guter Schuss auf die breit stehende Sau angebracht werden. Er sollte hinter dem Teller - jedoch nicht auf den Teller - angetragen werden, auf keinen Fall aber hinter dem Blatt. Bei tiefen und hohen Blattschüssen werden keine lebenswichtigen Organe getroffen. Spitz getroffene Sauen zeigen meist keinen Ausschuss und keinen Schweiß, auch besteht die Gefahr von Gebrechschüssen. Sauen sind sehr wehrhaft, besonders wenn sie bedrängt werden oder angeschossen sind. Ein Keiler ist mit seinen Waffen durchaus fähig, einen Hund (auch einen Jäger) lebensgefährlich, ja sogar tödlich zu verletzen. Keiler schlagen um sich, während Bachen beissen oder sich mit dem ganzen Körper wehren, wenn ihre Frischlinge in Gefahr sind.

Schusszeichen 

Wildschweine zeichnen kaum, flüchten oft, als wären sie nur erschreckt worden, bzw. ohne erkennbare Reaktion. Langsames Entfernen aus einer Rotte lässt auf einen tödlichen Treffer schliessen.

Aufbrechen 

Schwarzwild hat eine Gallenblase, die sofort nach dem Aufbrechen entfernt werden muss. Im Gegensatz zum übrigen Schalenwild kann auf das Verknoten des Schlundes verzichtet werden, da Schwarzwild kein Wiederkäuer ist und somit kein Mageninhalt austreten kann. Die Zwerchfellpfeiler werden zur Trichinenschau benötigt, der das Wildbret vor der Verwertung oder dem Verkauf unterzogen werden muss. Verantwortlich dafür ist der Jagdausübungsberechtigte.

Wildbret 
Schwarzwild Wildbret Fleischstücke

Bevorzugt wird das zarte schmackhafte Fleisch von Frischlingen und Überläufern. Das leicht verdauliche Fleisch eignet sich für Diäten und Schonkost und ist durch seinen natürlichen Fett- und Bindegewebsanteil ideal zum Grillen.
Das Fleisch älterer Tiere ist oft zäh, trocken und grobfaserig.
Wildschweine unterliegen der Trichinenschau.

Trophäen 

Trophäen sind der Saubart, die Waffen des Keilers und auch die Haken der Bache. Der Keiler hat nur im Winter den sog. Saubart, die langen Borsten auf der vorderen Rückenpartie. Überläufer haben die längsten Rückenborsten, ältere und alte Keiler die stärksten. Jede einzelne Borste ist an der Spitze mehrmals gespalten und wird als Feder bezeichnet. Der Saubart wird gerupft, gebunden und dient als Hutschmuck. Die Waffen und Haken stecken etwa zu zwei Drittel im Kiefer. Durch Kochen der Kieferäste lassen sie sich herauslösen. Um sie besonders haltbar zu machen, giesst man am besten die Hohlräume mit Stearin aus und befestigt sie dann auf einem Holzschild. Die Haken der Bache, aber auch kleinere Waffen, etwa von Überläuferkeilern, werden gefasst und als Charivari-Anhänger getragen. Gelegentlich wird der ganze Kopf präpariert oder auch die Schwarte als Trophäe gegerbt. 

Literatur

Jagdlich

  • Hahn, Niels: Raumnutzung und Ernährung von Schwarzwild. Online-Beitrag auf waldwissen.net vom 10.02.2011 Online
  • Schwarzwildsymposium. (= Schriftenreihe des Landesjagdverband Bayern, Bd. 6), 1998
  • Schwarzwild aktuell. (= Schriftenreihe des Landesjagdverband Bayern, Bd. 12), 2005
  • Eine Feldstudie am Schwarzwild zum Einsatz von Ammonium-eisenhexacyanoferrat zur Reduzierung der Radiocäsiumbelastung. (= Schriftenreihe des Landesjagdverband Bayern, Bd. 15), 2008
  • Guthörl, Volker: Unterrichtsreihe wildlebende Großtiere unserer Heimat. Am Beispiel von Reh, Rothirsch und Wildschwein. Bonn: DJV, 1994
  • Hahn, Niels: Raumnutzung und Ernährung von Schwarzwild. In: LWF aktuell 35 (2002), S. 32-34
  • Hespeler, Bruno: Schwarzwild heute München: BLV, 2004
  • Hespeler, Bruno: Schwarzwild bejagen. Effizient, tierartgerecht, störungsarm. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft. 2004
  • Müller, Paul / Carius, Herbert: Faszination Schwarzwild. Raum-Zeit-Verhalten telemetrierter Wildschweine unter Jagddruck. In: Jäger, 12/1998, S. 38-42
  • Reimoser, Friedrich / Reimoser, Susanne: Lebensraum & Abschuss. Abschussdichten verschiedener Wildarten in den österreichischen Bezirken seit 1955. Teil 2: Schwarzwild. In: Österreichs Weidwerk 7/2005, S. 6-7

Allgemein

  • Norbert Benecke: Der Mensch und seine Haustiere – Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-88059-995-5, S. 248–260.
  • Lutz Briedermann: Schwarzwild. 2., bearbeitete Auflage. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1990, ISBN 3-331-00075-2.
  • Lutz Heck: Die Wildsauen. Verlag Paul Parey, Hamburg 1980/1985, ISBN 3-490-06612-X.
  • Heinz Meynhardt: Schwarzwild-Report. Mein Leben unter Wildschweinen. 8., überarbeitete Auflage. Neumann, Leipzig/ Radebeul 1990, ISBN 3-7402-0080-4, 220 S.
  • Rolf Hennig: Schwarzwild. Biologie, Verhalten, Hege und Jagd. 7., überarbeitete Auflage (Neuausgabe). BLV, München 2007, ISBN 978-3-8354-0155-6.
  • Cord Riechelmann: Wilde Tiere in der Großstadt. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004, ISBN 3-89479-133-0.
  • Michael Petrak: Schwarzwild. Biologie, Bestandsreduktion, Sozialstrukturen, Wildschadenseindämmung, Schweinepest. (= Wild und Hund. Exklusiv. 22). Parey, Singhofen 2003, ISBN 3-89715-022-0.
  • Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3219-2.
  • F. Müller, D. G. Müller (Hrsg.): Wildbiologische Informationen für den Jäger. Band 1: Haarwild. (Reprint der früheren Ausgabe aus Jagd+Hege). Verlag Kessel, Remagen-Oberwinter 2004, ISBN 3-935638-51-5.
  • H. Gossow: Wildökologie. (Reprint der letzten Auflage des BLV.) Verlag Kessel, Remagen-Oberwinter 2005, ISBN 3-935638-03-5.
  • V. G. Heptner: Mammals of the Sowjetunion Vol. I Ungulates. Leiden/ New York 1989, ISBN 90-04-08874-1.
  • Heinz Gundlach: Brutfürsorge, Brutpflege, Verhaltensontogenese und Tagesperiodik beim Europäischen Wildschwein (Sus scrofa L.). In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 25, 1968, Nr. 8, S. 955–995.